Bürgermeister als Botschafter

Urban Diplomacy verbindet Kommunen weltweit © iStock.com/Lubo Ivanko

„Bürgermeister, egal wo sie regieren, sprechen dieselbe Sprache.“ Dieser Überzeugung ist David Holt, Republikaner und Bürgermeister von Oklahoma City. Im Oktober 2025 kam der 46-Jährige zusammen mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern anderer US-amerikanischer Städte nach Bremen, um sich mit deutschen Amtskolleginnen und -kollegen auszutauschen. Es ging um bezahlbaren Wohnraum, urbane Sicherheit und die Frage, wie Städte wirtschaftlich dynamisch und innovativ bleiben können. Der transatlantische Austausch war direkt, Nationalitäten und Parteizugehörigkeit spielten keine Rolle. 

Finanziert wurde die Konferenz mit Mitteln des Auswärtigen Amts, der deutsche Außenminister Johann Wadephul betont das große Potenzial von Städten als politische Akteure: „Städte, ob groß oder klein, sind Katalysatoren des wirtschaftlichen Wachstums, sie finden innovative, passgenaue und lokale Lösungen für globale Probleme.“

Urban Diplomacy – pragmatische Lösungen

Die Konferenz in Bremen ist ein Beispiel für erfolgreiche Urban Diplomacy: eine besondere Form internationaler Zusammenarbeit. Städte und Gemeinden kooperieren direkt, jenseits klassischer Regierungsdiplomatie. Klimawandel, Migration, Wohnungsnot, Mobilität, zivile Sicherheit – diese Probleme betreffen Städte weltweit. Weil sie die Auswirkungen unmittelbar spüren, finden sie oft pragmatischere Lösungen als Nationalstaaten. Der Austausch läuft über Fachkonferenzen, Delegationsreisen und Projektkooperationen. So entwickeln sich Städte zu gestaltenden Akteuren der internationalen Politik.

Deutsche Städte und ihre transatlantischen Partner

Besonders Deutschland und die USA füllen die Städtediplomatie mit Leben. Mehr als 200 Städtepartnerschaften verbinden beide Länder. Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Beispiel Dortmund und Pittsburgh. Beide Städte verbindet ihre postindustrielle Geschichte: Einst Zentren der Stahl- und Kohleproduktion, mussten sie sich nach dem Niedergang der Schwerindustrie neu erfinden. Seit 2022 tauschen sie sich über ihre Innovations- und Klimapartnerschaft aus – mit konkreten Vorhaben: Kooperationen zu Wasserstofftechnologie und Ernährungswende stehen ebenso auf der Agenda wie die Vernetzung von Universitäten und Startups beider Städte.